StartseiteGesundheit und WellnessWahnsinn Gesundheitswesen: Werden den Patienten Knorpeltherapien indirekt vorenthalten?

Wahnsinn Gesundheitswesen: Werden den Patienten Knorpeltherapien indirekt vorenthalten?

33. Jahreskongress des BVASK

Lange war die autologe Chondrozyten Transplantation umstritten. Doch inzwischen hat diese Art der Knorpeltherapie ein hohes Evidenzlevel erreicht und verhilft Tausenden Patienten zur├╝ck zur Bewegung in einem beschwerdefreien Alltag. Warum sie trotz hinreichender Indikation oft nicht angewendet wird, dar├╝ber referiert Dipl. Kaufmann Andre Roeder auf dem 33. Jahreskongress des BVASK.

Bei der Autologen Chondrozyten Transplantation, kurz ACT, wird dem Patienten Knorpel, zum Beispiel aus dem Knie, entnommen, biotechnologisch im Labor angez├╝chtet und vermehrt und danach wieder zur├╝ck in das Gelenk gegeben. Die etablierte Methode wurde im regul├Ąren Leistungskatalog der Kassen aufgenommen und wird f├╝r das Kniegelenk von den gesetzlichen Krankenkassen auch erstattet. Aber: der Medizinische Dienst streicht h├Ąufig NACH erfolgter Transplantation noch die Leistungen. Die Begr├╝ndung: Eine ACT sei „nicht notwendig gewesen“.
Andre Roeder erkl├Ąrt: „Dabei wird oft sozialmedizinisch argumentiert, nicht fachlich. Den Krankenh├Ąusern wird h├Ąufig eine ┬┤prim├Ąre Fehlbelegung┬┤ der Kapazit├Ąten vorgeworfen.“

Hintergrund: die Therapie selbst wird von Niedergelassenen Orthop├Ąden in Belegkliniken durchgef├╝hrt. Und w├Ąhrend der Niedergelassene Facharzt sein Geld f├╝r die erbrachte Leistung bekommt, bleibt die Klinik bei Streichung der Leistung im Nachhinein auf ihren Kosten sitzen. Deshalb nehmen einige Kliniken Abstand von dieser Methode, obwohl sie doch so sehr hilft. Schon nach 1-2 Jahren geht die Schere der Patienten, die bei entsprechenden Knorpeldefekten mit oder ohne ACT therapiert wurden, weit auseinander. W├Ąhrend die einen sogar umfangreich Sport treiben k├Ânnen, haben die anderen mit erneuten Schmerzen und Defekten zu k├Ąmpfen.
K├╝nftig sollen niedergelassene Orthop├Ąden die ACT ambulant komplett vornehmen k├Ânnen. Die Bewertungsma├čst├Ąbe daf├╝r werden derzeit gesetzt. Doch wenn dann durch den Medizinischen Dienst viele Regressforderungen kommen, wird es auch in der ambulanten „Branche“ keiner mehr ├╝bernehmen wollen. Dabei gibt es bei gr├Â├čeren Knorpeldefekten nicht einmal eine echte Alternative – denn die w├Ąre ein k├╝nstliches Kniegelenk. Dies w├Ąre aber mit 45 bis 57 Jahren weitaus zu fr├╝h, zumal Prothesen auch heute erst rund 15 Jahre halten.

Die Problematik der ACT zeigt einen von vielen Bausteinen, die die Ambulantisierung des Gesundheitssystems gef├Ąhrden. Und: die Patienten „im Regen stehen“ lassen.

Dieses und weitere spannende Themen auf dem BVASK-Kongress am 27. Und 28. Januar in D├╝sseldorf.

zum Kongress

Der Berufsverband f├╝r Arthroskopie e.V. vertritt die fachlichen und politischen Interessen arthroskopisch t├Ątiger ├ärzte (Orthop├Ąden und Chirurgen) in Deutschland. Ziel ist es, alle Patienten nach dem modernsten Stand der Medizin versorgen zu k├Ânnen.

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